Warum nicht?

Ich traue dem Internet nicht, aber ich traue gewissen Seiten. Und da ist mir eine Idee gekommen, höchst gefährlich heutzutage, rein ideologisch fernab der Realität, ich werde sie wahrscheinlich nie realisieren, aber der Gedanke gefällt mir. Und nein, nichts von dem, was jetzt gleich kommt, hat direkt mit mir zu tun, bis auf dass die Idee von mir ist. Also lasst mich mal spinnen, ich will das hier nur niederschreiben.
Man nehme an, man führt seit einer langen Zeit gute Gespräche mit einer Person, deren Gedanken, Gefühle, Ansichten und Macken man nur durch E-Mails und Telefonate kennt. Sie wohnt weit weg, in einer anderen Stadt in Deutschland, aber man hat das Gefühl, sie zu kennen, denn es gibt Dinge, die verraten viel über einen Menschen. Der Musikgeschmack ist so ein Ding, insbesondere die Art, sich mit der Musik auseinanderzusetzen. Man glaubt also, die Person besser zu kennen, als so manch einen seiner Freunde, den man fast täglich sieht, weil man viel mehr Gedanken und Gefühle augetauscht hat, als es jemals bei einer oberflächlichen Freitagabendkonversation möglich wäre.
Und jetzt besucht man diese Person, diesen Menschen. Für 24 Stunden. Es geht hierbei weniger um die Person als um die Sache, obwohl die Person im Bezug auf die Sache natürlich eine nicht zu verachtende Rolle spielt. Man kommt mit dem Zug an und da sieht man ihn zum ersten Mal, es ist fremd und doch meint man, in dem Lächeln ein Stück wiederzuerkennen, man glaubt zu wissen, wer einem da gegenübersteht. 24 Stunden mit einem fremden und doch nahen Menschen in einer fremden Stadt. Diese Person wird einem, wenn man die richtige Person ausgewählt hat, Dinge zeigen, die in keinem Stadtführer zu finden sind. Sehenswürdigkeiten bei Nacht, kleine Cocktailbars, einen Hügel, von dem aus man die ganze, fremde Stadt überblicken kann. Mindestens bis vier Uhr unterwegs. Und dann wacht man morgens auf, in einem fremden Bett, steht auf, sieht aus dem Fenster, zündet sich eine Zigarette an, lässt sich einen Kaffee kochen, frühstückt und geht. Steigt in den Zug und fährt nach Hause, auf der anderen Seite des Fensters ein inzwischen hautnaher Mensch.
Und wie bei den Pilotfilmen, die manche Privatsender gerne mal laufen lassen, weiß man nicht, ob eine Serie draus wird, egal, wie viele Leute den Film gesehen haben und wie gut er war.

Sehr gut beschrieben. Ich mag besonders deinen Schlussabsatz. Viel Glück!
Comment by Eva — July 26, 2005 @ 3:22 pm
bei mir war der film gut.
Comment by lisa — July 26, 2005 @ 5:03 pm
bei mir auch
Comment by frauke — July 29, 2005 @ 8:26 am
»ein film ward ausgestrahlt, etwa vor einem halben jahr – zwei menschen, eine verabredung, er steigt in den falschen zug ein, sie kehrt ihren hoffnungen traurig & verlassen den rücken, er gibt nicht auf, nein, steht mit dem rücken zur wand, und mit nichts in der hand, er fährt in die nächste große stadt…und wie durch zauberhand prangt eine nachricht auf ihrem bildschirm, groß und unerwartet. beide hören die fremde und doch so vertraute stimme am anderen ende der leitung, rewind & repeat als wäre nichts geschehen. sie treten die reise an, nach frankreich, ewige stunden auf den schienen, die die welt bedeuten – ein kurzes abendessen und wieder zurück auf bekanntes terrain – unterwegs bis weit nach mitternacht.«
ich und der drache – eine geschichte über das verlieren und gefunden werden.
Comment by Leviathan — July 31, 2005 @ 8:01 pm
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Comment by rape porn — May 2, 2006 @ 4:23 pm
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Comment by rape videos — May 2, 2006 @ 10:34 pm